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Toskanafreunde Puschendorf e.V.

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Gemeindepartnerschaft

Puschendorf - Castelnuovo Berardenga

 

Wir, Johann Sämann, Bürgermeister von Puschendorf, und Luca Bonechi, Bürgermeister von Castelnuovo Berardenga, die in freier Wahl gewählten Vertreter unserer beiderseitigen Bürgerschaft bekräftigen heute im Geiste wahrer Freundschaft und echter Völkerverständigung feierlich die Beschlüsse unserer Gemeinderäte zur Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Gemeinden.

 

Uns ist bewusst, dass die europäische Kultur ihre Wiege in den Gemeinden hatte und das der Geist der Freiheit das erste Mal in Urkunden verankert wurde, die die Gemeinden unter großen Anstrengungen erlangen konnten.

 

Dieses Werk der Geschichte muss fortgesetzt werden. In einer noch größeren Welt, aber diese Welt wird nur in dem Maße wirklich menschlich sein, wie die Menschen in freien Gemeinden leben werden.

 

An diesem Tag übernehmen wir die feierliche Verpflichtung eine dauerhafte Verbindung zwischen den Gemeinden aufrechtzuerhalten und auf jeglichem Gebiet den Austausch zwischen unseren Bürgern zu fördern, um so durch ein besseres gegenseitiges Verständnis das lebendige Gefühl europäischer Verbundenheit wachsen zu lassen.

Gemeinsam alles in unserer Kraft stehende zu unternehmen, um die so wichtige Idee des Friedens, der Freiheit, des gemeinsamen Wohlergehens und der europäischen Einheit zu fördern.

 

Soweit der Text der Partnerschaftsurkunde, die dann am 29. Dezember 1990 feierlich im Theatre Communale in Castelnuovo Berardenga unterzeichnet wurde.

 

Aber bis dahin war es ein zweijähriger schöner und unkomplizierter Weg. Doch alles der Reihe nach....

 

Die Anfänge

Im Sommer 1987 besuchte eine Jugendgruppe aus dem Landkreis die toskanische Gemeinde Castelnuovo Berardenga. Hier wurden erste Kontakte geknüpft und vor allem eine Gegeneinladung ausgesprochen.

Mitte Februar 1988 machte sich dann eine stattliche Delegation aus der schon sonnigen Toskana in das noch winterliche Franken auf. Und jeder, der schon einmal ein Besuchsprogramm organisiert hat, kann ein Lied über die Probleme singen, die damit einhergehen. Nicht anders ging es der damaligen Büroleiterin des Landrates Dr. Dietrich Sommerschuh, Karin Jungkunz. Kurz gesagt, dass Puschendorf Hauptziel der Reisegruppe wurde, war mehr Zufall als Kalkül.

 

Eines Tages klingelte das Telefon bei mir und eine leicht verzweifelte Karin Jungkunz am anderen Ende hatte ihre liebe Not mit der Erstellung des Besuchsprogramms.

»Bertram, wir bekommen in Kürze italienische Gäste und ich weiß nicht wohin mit ihnen. Wir haben im Landkreis doch meistens »schwarze« Bürgermeister und die Jüngsten sind sie auch nicht mehr. Der italienische Bürgermeister ist aber noch ein junger Mann und außerdem sind die in der Toskana alle Kommunisten.«

Den Zusammenhang mit dem Alter verstand ich ja noch aber das mit den Kommunisten...

 

Kurzum, ich sagte spontan zu, ein Besuchsprogramm zu organisieren und gespannt warteten wir auf die Ankunft der Gäste.

Dann kam zwar nicht der erste Bürgermeister mit, aber mit Fabio Maggi dem Delegationsleiter, der mir als 2. Bürgermeister vorgestellt wurde, verstand ich mich auf Anhieb prächtig. Dass er tatsächlich kein Vizebürgermeister war, lag entweder an Übersetzungsfehlern oder den Untiefen der Diplomatie.

 

Wie dem auch sei, die ersten Wurzeln waren gelegt und nachdem meine Familie den Sommerurlaub 1988 noch nicht verplant hatte, fuhren wir aufs gerade Wohl nach Castelnuovo.

 

Dort lernte ich dann Soriano Ricci, kennen. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass wir beide nach einem Tag wussten, dass diese Kontakte in einer Partnerschaft zwischen unseren Gemeinden enden würden. Heute verbindet uns eine tiefe Freundschaft und wenn die Zeitung des Bayerischen Gemeindetages Gemeinde-Kurier in ihrer Februarausgabe 1991 schrieb, »...ohne  das Wirken der beiden Vizebürgermeister und Vorsitzenden der Partnerschaftskomitees Soriano Ricci, Nunzio Salerno (Dolmetscher) und Bertram Schacher wäre es vermutlich nicht zu dieser Partnerschaft gekommen, erfüllt mich dies schon ein wenig mit Stolz.

 

Soweit zu den Wurzeln. Damit aber so eine zarte Pflanze der Partnerschaft wächst und gedeiht, braucht es viel Pflege und viele hilfreiche Hände und natürlich die nötige Unterstützung. Die fand sie bei den großen Parteien von SPD und CSU, bei fast allen Gemeinderäten und in vorbildlicher Weise durch die zahlreichen Mitglieder unseres Freundeskreises, die letztlich dazu beitrugen eine lebendige Partnerschaft zu erhalten.

Als grandiose Gemeinschaftsleistung ist vielen noch das große Freundschaftsfest in der Halle der Zimmerei Billmann im Jahre 1990 in Erinnerung.

 

 

Doch nun zu unserer Partnergemeinde selbst.

 

Castelnuovo Berardenga liegt, wie bereits erwähnt, in der Toskana, etwa 15 Kilometer östlich des mittelalterlichen Schmuckkästchens Siena. Es ist von der Fläche her knapp halb so groß wie der Landkreis Fürth (177 km²) und hat viele kleine verstreute Dörfer, Weiler und Gehöfte, in denen nur ca. 6000 Menschen leben. Der größte Teil des Gebietes aber liegt im »Chianti-Classico«.

 

Der Hauptort (ca 1.200 Bewohner) mit den Resten einer alten Stadtmauer und der palastähnlichen, von einem wunderschönen Park umgebenen Villa Chigi im Mittelpunkt, liegt am Rande des Chianti-Classico-Weinbaugebietes. Das Zentrum beherrschen die alten, gepflegten, südländischen Häuser.  Die engen Gassen und Haus an Haus symbolisieren das dörfliche Zusammengehörigkeitsgefühl. Man kennt sich und die Männer treffen sich am Marktplatz zum Kaffee und schwätzen.

 

 

Die Landschaft prägt den Menschen

Das Gemeindegebiet weist eine scharfe landschaftliche Trennung auf. Auf der einen Seite  Mondlandschaft, kahl und steil, aber weich im Gestein - abweisend. Kein Halm, kein Strauch. Im Widerstreit die weichen Konturen, grauer Ton, ungemein zärtlich die Formen. Höhen ohne Täler - von Kinderhand hingeworfene Sandhaufen. Nicht gerade einladend zum Verweilen, dennoch stark anziehend.

Das Gegenstück: Hügel auch hier, kein gerades Stück auf dem ein Weinglas stehen könnte. Doch grün die Landschaft, saftig die Wiesen, stolz die Olivenhaine und sattfruchtig die Weinberge. Gott muß bei der Erschaffung dieses Landstriches eine zärtliche Hand gehabt haben.

Nicht erinnert hier an das Zusammengehörigkeitsgefühls des Kernortes. Auf den Anhöhen verstreut einzelne Gehöfte. Manche stolz, trutzig und erhaben. Andere kleiner, zärtlicher, verfallen. Alle jedoch einladend. Zu jedem führt eine staubige Straße, ein kleiner schmaler Weg - steinig aber gesäumt von konkurrierenden Pinien und Zypressen. Die Bäume zeigen schon von weitem den Weg - niemand geht hier verloren. Weitere 4.800 Menschen leben hier. In einzeln verstreuten Häusern oder in kleinen Ansiedlungen. Es sind Menschen zu denen man sich hingezogen fühlt.

 

 

Geschichtliches

Aber unsere Partnergemeinde ist auch geschichtsträchtig. Im Jahre 1260 fand bei Monteaperti die entscheidende Schlacht zwischen Siena  und Florenz statt. Durch eine Kriegslist gewannen die zahlenmäßig weit unterlegenen Sieneser.

Weiter finden sich Funde und Gräberfelder der Etrusker und die Kartause von Pontignano ist eines der ältesten Klöster der Toskana. Sehenswert ist dort das Gemälde das »Letzte Abendmahl« von Bernardino Piccetti (1596) und das Chorgestühl aus dem Jahre 1590, geschnitzt vom Florentiener Domenico Atticciati.

 

 

Bertram Schacher

Präsident des Deutsch-Italienischen Freundeskreises

Castelnuovo Berardenga-Puschendorf